Die Vestische Klimakonferenz 2026 – Unser Rückblick

Der Kreis Recklinghausen macht Tempo bei der Energiewende

Am 23. September 2026 kamen in Haltern am See rund um die Vestische Klimakonferenz Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über den Stand der Energiewende im Kreis Recklinghausen zu diskutieren. Die Vorträge, Fachforen und Praxisbeispiele zeichnen ein klares Bild: Die Energiewende ist im Vest längst keine Zukunftsvision mehr, sondern gelebte Realität.

„Weg von den Molekülen, hin zu den Elektronen“

Den inhaltlichen Ton setzte Dr. Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal Institut mit seiner Keynote. Seine zentrale These: Die Ära fossiler Energieträger – Kohle, Öl, Gas – ist vorbei. Sie sind begrenzt verfügbar, ineffizient (nur rund 30 Prozent der eingesetzten Energie kommen tatsächlich als Output an) und technologisch überholt. Elektrische Energie lässt sich dagegen nahezu verlustfrei nutzen. Für uns Grüne ist das keine neue Erkenntnis, aber es war beeindruckend, sie so klar und eindrücklich von wissenschaftlicher Seite bestätigt zu bekommen.

Haltern als Vorbild – mit Luft nach oben bei der Wärme

Wie konkret das aussehen kann, zeigt Haltern am See selbst: Die Stadt produziert bereits seit 2019 mehr Strom, als im Stadtgebiet verbraucht wird. Inzwischen liegt die Erzeugung bei weit über 400 GWh im Jahr. Ein Drittel des erzeugten Stroms wird sogar in die Region exportiert.
Auch bei den Stadtwerken in Haltern zeigt sich, wie Klimaschutz und Alltagsnutzen zusammengehen können: Die PV-Parkplatz-Anlage überdacht Stellflächen mit Solarmodulen und nutzt so ein und dieselbe Fläche doppelt – als Parkraum und als Stromerzeuger. Gerade in dicht bebauten oder stark genutzten Bereichen ist das ein Vorbild dafür, wie der Ausbau der Erneuerbaren gelingen kann, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.

„Doppelnutzung wie bei den PV-Parkplätzen zeigt genau das, was wir uns unter kluger Energiewende vorstellen: Wir müssen nicht immer neue Flächen verbrauchen, sondern können vorhandene Flächen einfach intelligenter nutzen. Das spart Platz, schont die Umwelt und produziert nebenbei sauberen Strom.“
Regina Weyer, Kreistagsmitglied

Land NRW: Rekordzubau bei Erneuerbaren

Dr. Roland Kube vom Wirtschaftsministerium NRW (MWIKE NRW) gab Einblick in die Landesziele. Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen ist festgehalten: 1.000 neue Genehmigungen für Windenergieanlagen bis zum Ende der Legislaturperiode 2027, verbunden mit einem verstärkten Ausbau von Dach- und Freiflächen-PV. Die Zahlen aus 2025 zeigen, dass NRW auf einem guten Weg ist: Mit 1,3 GW Zubau (271 neue Windenergieanlagen) wurde ein Rekord erreicht – sichtbar auch direkt vor unserer Haustür in Dorsten, Haltern und Marl.

Trianel Batteriespeicher Waltrop: Speicher statt Gaskraftwerk

Ein weiteres Highlight der Konferenz war der Trianel Großbatteriespeicher in Waltrop. Der Spatenstich erfolgte bereits am 21. September 2026 gemeinsam mit Mona Neubaur. Die Inbetriebnahme ist für die zweite Hälfte 2028 geplant.

Die Dimensionen sind beeindruckend: Auf einer Fläche von rund zehn Fußballfeldern entsteht ein Speicher mit 900 MW Leistung – mehr als das benachbarte Kohlekraftwerk (750 MW) – und einer Speicherkapazität von 1.800 MWh. Das entspricht rechnerisch dem gesamten täglichen Stromverbrauch von Waltrop. Hier entsteht einer der größten Batteriespeicher Deutschlands. Speicher wie dieser puffern Schwankungen bei der Erzeugung aus Wind und Sonne ab und stabilisieren so das Stromnetz.

Auch die e-Mobilität zieht nach

Direkt neben der Stadthalle entstehen aktuell 12 neue Schnellladesäulen von Total Energies – verkehrsgünstig gelegen und mit jeweils 400 kW Leistung. Die Inbetriebnahme ist in wenigen Wochen zu erwarten. In Summe stellen die zwölf Säulen dann eine beeindruckende Gesamtleistung von 4.800 kW bereit. Ladeinfrastruktur in dieser Größenordnung scheitert vielerorts schlicht daran, dass das Stromnetz eine solche Leistung gar nicht hergibt. Dass sie hier realisiert werden kann, ist ein starkes Signal dafür, wie belastbar die Netzinfrastruktur im Kreis bereits ausgebaut ist – und ein wichtiger Baustein für den Ausbau der e-Mobilität.

„Unser jahrelanger, unermüdlicher Einsatz für die erneuerbaren Energien im Kreis ist mittlerweile unübersehbar eine Erfolgsgeschichte geworden. Doch wir sehen weiterhin großes Potenzial und werden uns auch künftig dafür einsetzen, dem Kreis eine grüne Zukunft zu geben – ökologisch und wirtschaftlich zugleich.“
Dr. Roland Gaschnitz, Kreistagsmitglied

Unser Fazit

Die Vestische Klimakonferenz 2026 hat gezeigt: Der Kreis Recklinghausen ist bei der Energiewende auf einem sehr guten Weg – bei der Stromerzeugung teilweise schon vorbildlich, bei der Wärmewende steht die größere Aufgabe noch bevor. Für uns ist klar: Projekte wie der Batteriespeicher Waltrop oder die Floating-PV-Anlage der Quarzwerke Haltern zeigen, dass Klimaschutz und regionale Wertschöpfung Hand in Hand gehen können.

Mehr Information:
Vestische Klimakonferenz
Wuppertal Institut – Dr. Hans Jochen Luhmann
Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen
Trianel
Total Energies Charging Services